
Töten im Takt – Die grausamste Maschine bei Tönnies
Tiere leiden vor dem Schlachten Höllenqualen bei CO₂-Betäubung
ARIWA veröffentlicht jetzt erstmals umfangreiche Aufnahmen aus einem Schlachthof von Tönnies. Schlachthöfe gehören zu den schwierigsten Herausforderungen für Undercover-Aufnahmen, da sie extrem gut gesichert sind. Die Betreiber setzen alles daran, dass das, was dort geschieht, nicht an die Öffentlichkeit gelangt.
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19.10.2026, Deutschland
NDR berichtet mit Videomaterial von ARIWA.
Er ist Deutschlands größter Schlachtkonzern und gilt als eines der mächtigsten Unternehmen der europäischen Fleischindustrie: Tönnies. Als Marktführer produziert er 30 Prozent des gesamten deutschen Schweinefleischs. Allein 2023 meldete der Konzern einen Jahresumsatz von über 7 Milliarden Euro. Dafür tötet Tönnies jedes Jahr 16 Millionen Schweine.
Das uns vorliegende Material zeigt, wie Mitarbeiter*innen die Tiere beim Zutrieb schlagen und sie unter automatischen Toren eingeklemmt werden. Es zeigt den grausamen Erstickungskampf in der CO₂-Anlage mit Tieren, die in Gondeln vor Angst schreien und versuchen zu fliehen. Und es zeigt zahlreiche Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften vor und während der Schlachtung.
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Von der Ankunft bis zum Tod: Erste Undercover-Aufnahmen aus Tönnies Schlachthof
Das vorliegende Material dokumentiert erstmals unabhängig den gesamten Ablauf der Schlachtung von der Ankunft der Tiere im Schlachthof bis zur Tötung. Die Aufnahmen zeigen, wie leidvoll die letzten Stunden im Leben der Tiere sind. Das liegt auch an einer Maschine im Schlachthof, die grausamer nicht sein könnte: Die sogenannte CO₂-Betäubungsanlage.
Die Betäubung vor dem Schlachten ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Tiere sollen so vor Schmerzen und Stress geschützt werden. Auch zur Betäubung selbst gibt es eindeutige Vorgaben: Paragraf 12 der Tierschutz-Schlachtverordnung legt fest, dass Tiere “schnell und unter Vermeidung von Schmerzen oder Leiden in einen (…) Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit” versetzt werden müssen. Der Betäubungsvorgang darf also keine Schmerzen oder Leid auslösen und muss bis zum Tod des Tieres anhalten. Doch die Aufnahmen zeigen eindeutig, dass die Betäubung mit CO₂ gegen diese Vorschrift verstößt!
Ankunft im Schlachthof
Am frühen Morgen kommen die ersten LKWs auf dem Schlachthof an. An den aufgenommenen Tagen werden mindestens fünftausend Schweine pro Tag hier angeliefert und getötet. Tönnies verfügt über ein riesiges Netz von Zulieferbetrieben in ganz Deutschland.
Nach ihrer Ankunft werden die Tiere in enge Wartebuchten gebracht. Hier läuft sanfte Musik, sie soll die Tiere entspannen. Es wirkt makaber. Neunzig Minuten lang sollen sich die vom Transport und Ausladen gestressten Schweine hier beruhigen, dabei ist zu erkennen, wie ängstlich sie sind.
Doch das wahre Grauen kommt erst noch. Nach anderthalb Stunden öffnet sich ein Tor. Ein Mitarbeiter beginnt, die Tiere in einen Treibgang zu scheuchen. Dabei kommt Gewalt zum Einsatz: Wenn die Schweine panisch versuchen zu fliehen, schlägt der Mitarbeiter mit der Treibstange zu, auch ins Gesicht. Die Schweine werden nach und nach in Sechsergruppen aufgeteilt. Als nächstes geht es für sie in die Betäubungsanlage.
Per Gondel in den Erstickungskampf
Die Schweine sind jetzt in einem engen Abteil, aus dem es kein Zurück gibt. Ein Mitarbeiter treibt die Gruppen nacheinander in die Gondelkäfige, mit denen es in wenigen Augenblicken gut 9 Meter nach unten in eine mit CO₂ gefüllte Grube geht. Manche Tiere werden von den schweren hydraulischen Trenngittern eingeklemmt und können sich nicht alleine befreien. Sie schreien vor Schmerz.
Sobald die erste Gruppe von Schweinen in ihre Gondel getrieben wurde, schließt sich der Käfig aus dicken Metallstangen. Kurze Zeit später setzt sich die Gondel in Bewegung. Die versteckte Kamera fährt mit. Innerhalb weniger Sekunden reagieren viele Schweine mit Panik. Viele schreien, schnappen nach Luft, werfen sich gegen die Gitterstäbe und steigen aufeinander. Die Fluchtversuche können so heftig sein, dass manche Tiere sich verletzen und Blutspuren an der Anlage zurücklassen.
Je tiefer die Tiere in den Schacht fahren, desto heftiger werden ihre Fluchtversuche. Die CO₂-Konzentration beträgt nach wenigen Metern schon 80 Prozent. Zeitgleich wird oben die nächste Gruppe in die Gondeln getrieben. Sie können die Angstschreie ihrer Artgenossen aus den Gondeln unter ihnen hören.
Weiter unten werden die Bewegungen der Tiere schwächer, ihre Kraft lässt langsam nach, die Atemnot nicht. Irgendwann verstummen die Schreie. Urin läuft die Wand herunter. Schließlich liegen die Schweine regungslos in der Gondel. Bewegungslosigkeit kann ein Indikator für Bewusstlosigkeit sein, sie ist aber keine Garantie.
Dass die Tiere nicht sofort bewusstlos werden, wenn sie das Gas einatmen, ist ein Kernproblem der CO₂-Methode. Die Betäubung erfolgt schrittweise und verursacht so bei den Schweinen unvorstellbares Leid. Studien ergaben, dass es sogar bis zu 60 Sekunden dauern kann, bis die Schweine bewusstlos sind. Auf den Aufnahmen dauert der sichtbare Kampf gegen das Gas etwa 30-40 Sekunden bis die Tiere keine Bewegungen mehr zeigen. Unter Schmerzen und Atemnot ist jede Sekunde zu viel – und verstößt außerdem gegen die gesetzlichen Anforderungen einer schmerz- und leidfreien Betäubung. Die Panik setzt jedoch wesentlich früher ein. Bereits im Zutrieb und auch beim Beladen der Gondeln leiden die Tiere erkennbar erheblich unter Stress und Angst.
Der letzte Akt
Nachdem die Gondel den tiefsten Punkt der Grube passiert hat, fahren die leblosen Tierkörper auf der anderen Seite wieder an die Oberfläche. Dort werden sie wie Gegenstände aus der Gondel ausgekippt und anschließend von den Mitarbeiter*innen einzeln kopfüber an einem Bein an ein Förderband gehängt. Nicht alle Schweine sind bei der schrecklichen Prozedur ohnmächtig geworden. Die Mitarbeiter*innen betäuben sie mit einem Bolzenschuss nach. Ein Tier verhakt sich, woraufhin ein Mitarbeiter dem lebenden Schwein einen Fuß abschneidet und es wieder in die Schlachtstraße eingliedert. Ein schwerer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
Die aufgehängten Tiere fahren mit dem Förderband zum Tötungsplatz, wo die eigentliche Schlachtung stattfindet. Die meisten von ihnen sind regungslos, doch nicht alle. Eigentlich muss jetzt alles ganz schnell gehen. Die gesetzlich vorgeschriebene Zeit zwischen Verlassen der Betäubungsanlage und Tötung beträgt 20 Sekunden. Es können jedoch Ausnahmeregelungen für längere stun-to-stick-Intervalle beantragt werden. In diesem Betrieb sind es laut eines Schildes an der Wand maximal 100 Sekunden. Die Kameras zeigen, dass dieses Intervall häufig überschritten wird. Damit besteht das Risiko, dass die Tiere beim Entbluten nicht mehr vollständig bewusstlos sind. Obwohl allem Anschein nach einige von ihnen nicht richtig betäubt sind, werden die Schweine mit einem Stich in die Halsschlagader getötet. Das ist ein massiver Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Sind die Tiere nicht komplett bewusstlos, fühlen sie die Schmerzen des Messerstichs und müssen ihren eigenen Tod miterleben. Expertise for Animals und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) haben die Aufnahmen ausgewertet und alle tierschutzrelevanten Verstöße detailliert dokumentiert.
Tierleid ist systembedingt
Wir haben Tönnies mit den konkreten Vorwürfen konfrontiert. Der Konzern nahm dazu jedoch keine inhaltliche Stellung.
Die Betäubung ist ein Teil in einem langen, qualvollen Prozess, der für die Tiere mit ihrem Tod endet. Nach einem leidvollen Leben in Mast- oder Zuchtbetrieben und dem Transport zum Schlachthof beginnt hier, bei Schlachtern wie Tönnies, das letzte grausame Kapitel im Leben eines Schweins in der Tierindustrie.
Die CO₂-Betäubung verursacht jedes Jahr bei Millionen von Tieren erhebliches Leid. Sie steht im Widerspruch zu den Vorgaben der Schlachtverordnungen und verletzt das Grundprinzip des Tierschutzgesetzes, wonach keinem Tier vermeidbare Schmerzen oder Leiden zugefügt werden dürfen. Ein Verbot dieser Methode ist daher längst überfällig.
Doch so notwendig dieser Schritt ist, löst er das eigentliche Problem nicht. Die Debatte über alternative Betäubungsverfahren dreht sich letztlich nur um die Frage, mit welchem Verfahren Tiere getötet werden. Doch ein Schlachten ohne Leid gibt es nicht. Auch nicht bei der Verwendung von alternativ empfohlenen Gasen wie Argon. Denn auch Argon ist ein aversives Gas. Die Tiere werden weiterhin gewaltsam in Gondeln getrieben, aus denen sie nicht entkommen können. Es wird Fehlbetäubungen geben. Angst und Stress beginnen außerdem nicht erst mit der Betäubung, sondern bereits mit der Ankunft im Schlachthof.
Das lässt sich noch weiter zurückführen: Die Tiere leiden beim Transport, bei der Verladung, ihrem Leben im Mastbetrieb. Letztendlich beginnt ihr Leid schon mit der Geburt in ein ausbeuterisches System. Solange Tiere als Ware behandelt werden, bleibt jede technische Verbesserung des Schlachtprozesses eine kosmetische Veränderung. Sie mag einzelne Belastungen verringern, ändert aber nichts an der grundlegenden Realität: Tiere werden gezüchtet, genutzt und schließlich getötet – nicht, weil es notwendig ist, sondern weil das System es so vorsieht.
Bildstrecke zur Aufdeckung
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Zahlen & Fakten zur industriellen Schlachtung
- 🐷 44,9 Millionen: So viele Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet.
- 📊 35 Millionen: So viele Tiere werden in Deutschland pro Jahr mit CO₂ betäubt (75 % aller Schweine).
- 🐖 Davon 16 Millionen allein beim Marktführer Tönnies.
- ⏱️ 3 Minuten: So lange dauert eine Fahrt in dem CO₂-Schacht.
- ⚠️ Bis zu 60 Sekunden: So lange dauert der Todeskampf, bis die Schweine im Gas das Bewusstsein verlieren.









Weiterführende Informationen
- Link zum TV-Beitrag beim NDR
- Kurzgutachten Expertise for Animals
- Stellungnahme DJGT – CO₂-Betäubung
- Stellungnahme DJGT – Gewalt und Verstöße
- Download YouTube Video
- Fotoalbum bei Flickr
- Rohmaterial zum Download
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Text: Animal Rights Watch e.V. | Bilder: Animal Rights Watch e.V.






















